25.05.2011

Lügen kommt also von Lieben

Bin auf der Suche nach etwas anderem auf einen lesenswerten Artikel im Folio der Neuen Zürcher Zeitung gestossen... Sehr interessante, be(un)ruhigende Ansichten eines französischen Philosophen über das Thema Lügen als eigene Form der Liebe. Sie sei das Fundament vieler Beziehungen und somit jenes des Glücks.

"In der Freundschaft und in der Liebe ist man über jene Dinge, die man nicht weiss, glücklicher als über jene, die man weiss."
La Rochefoucauld

5 Kommentare:

  1. Vielleicht beunruhigend, aber doch wenig überraschend. Kann ja auch eine Schutzfunktion sein, um den anderen nicht zu verletzen.

    Verwunderlich finde ich nur die Banalität der genannten Gründe.

    A prospos Rochefoucauld: Beziehungen sind eine Entdeckungsreise. Glaubt man alles zu wissen, neigt sich die Reise gewöhnlich dem Ende zu, also halten wir immer ein wenig zurück.
    LG
    Niko

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  2. Lüge als Form der Liebe? Also ein In-Sicherheit-Wiegen, eine illusionistische Welt für die Beziehung erschaffen, sie in Watte gepacken abschirmen vor der Realität? Wie groß, wie stark kann sie dann werden?
    Mag sein, daß die Lüge ein Fundament vieler Beziehungen ist, mag auch sein, daß viele Beziehungen relativ lange gut damit fahren. Aber meist hört das Glück ja auf, wenn die Lüge herauskommt. Eine sehr gewagte Formel für das Glück...

    Liebe Grüße
    deli

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  3. Eine Partnerschaft sehe ich als ein labiles Gefüge an, denn sie basiert auf Gefühlen und die sind nicht berechenbar. Sie können nicht immer vom Partner nachempfunden werden, und vor allem nicht richtig gewichtet.

    Es scheint mir darum manchmal die bessere Lösung zu sein gewisse Dinge zu verschweigen. Ich für mich weiss, welche Gefühle ich für meinen Partner habe, er kann es aber nicht wirklich wissen.

    Die gegenseitigen Gefühle die in die Partnerschaft fliessen sind gross und stark, fliessen dann noch andere mit rein, die ich ja nur für mich fühle, schwächen das Gefüge doch nur...

    Lebt man eine vollkommen 'offene' Beziehung ohne Verschweigen oder Lügen, findet da nicht dauernd eine Gewichtung und Abgrenzung der Gefühle statt, um die Beziehung auszunivellieren?

    Liebe Grüsse,
    Echilea

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  4. Ich verstehe Partnerschaft nicht als eine Verbindung aus Gefühlen/durch Gefühle (die, da stimm ich Dir zu, wechselhaft und unbeständig sind), sondern als willentliche Entscheidung für einen Menschen. Sicherlich nicht losgelöst von Gefühlen, sicher beeinflußt von Gefühlen, aber nicht ausschließlich.

    Einen Unterschied sehe ich auch noch zwischen "Lügen" und "nicht erzählen". Es gibt Sachen, gerade im Gefühlsbereich, die kann man gar nicht richtig erzählen, vielleicht, weil man sie selbst gar nicht erfassen kann. Das würde ich nicht als "Lügen" bezeichnen. Allerdings ging es mir bisher immer besser damit, wenn ich von ihm wußte, wie es um sein Gefühlsleben bestellt ist, selbst wenn es manchmal konfus und immer eine Momentaufnahme war. Ich fühlte mich als Vertraute, als Freundin und ihm auch gefühlsmäßig nah, auch wenn seine Gefühle vielleicht gerade für eine Andere präsenter waren als für mich. Und ich denke, umgekehrt ist das für ihn ebenso oder ähnlich.
    Klar bringt einen das manchmal auf eine komische Ebene, einfach ist es auch nicht immer, ja, vielleicht wärs manchmal ERSTMAL einfacher, irgendetwas nicht zu wissen. Aber insgesamt, denke ich, würde irgendwann eine Lücke entstehen in unserem WIR.
    Vor allem, wenn dieses Nicht-Wissen nicht immer ein Nicht-Wissen bleibt - und gibt es dafür eine Garantie?

    Ich kann nicht für alle Beziehungen sprechen. Vielleicht hast Du ja recht und in einer anderen Beziehung würde ich das ähnlich sehen und die Lücke würde vielleicht tatsächlich erst durch das Nicht-Verschweigen entstehen. So eine Art gefühlsmäßige"too much information"-Überforderung des Partners, der mit all meinem Erzählen nicht klarkäme. Aber das erlebe ich in meiner Beziehung nicht. Vielleicht noch nicht. Vielleicht nie. Schaun wir mal. :-)

    Alles Liebe
    deli

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  5. Ich glaube, Eure Diskussion findet auf einer anderen Ebene von 'Beziehung' statt, als die Aussagen in dem Artikel.

    Ist zwar reine Spekulation meinerseits, aber Ihr unterstellt eine 'bewusste' Beziehung, während viele Beziehungen (nach einer gewissen Zeit) allein aus Gewohnheit weiterbestehen (Soll keine Wertung sein, nur als Feststellung). Dann ist es viel nachvollziehbarer, 'Überraschungen' zu vermeiden, weil damit das Gleichgewicht der Gewohnheit aus den Fugen geraten könnte.

    Aber ich wünsche natürlich allen die jeweils bestmögliche Beziehung :-)

    Niko

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