26.05.2011

Das Ganze und seine Teile

Beide liegen mehr auf dem Sofa, als sie sitzen. Sie auf den rechten, er auf den linken Ellenbogen gestützt, mit den Köpfen zur Mitte. Dicht beieinander. Nur Freunde, die sich gemeinsam auf dem Bildschirm Fotos ansehen. Sie sehen sie, aber nicht wirklich. Wirklich ist, dass ihre Köpfe sich so nah sind, dass ihre Haare sich berühren. Es nur eine kleine Bewegung bräuchte, bis ihre Wangen sich streifen. Eine leichte Drehung und ihre Lippen würden sich treffen. Abwechselnd wandern ihre Finger über die Tastatur, in der Hoffnung sie würden sich zufällig berühren. Eine Weile bleiben sie so, geniessen. Stillschweigend für sich. 

Seine Gedanken rotieren und er weiss, dass ein Teil von ihr, ihm gehört. Schon immer hat er ein Stück von ihr besessen. Darf er sich noch mehr nehmen? Was, wenn ich meinen Kopf jetzt drehen würde, denkt sie. Sie hat es bereits getan. Ihre Blicke treffen sich und er weiss, er darf. Ihre Lippen berühren sich. Erst sanft, dann fordernd. Seine Hand umfasst ihren Nacken und zieht sie zu sich. Die Grenze ist überschritten, es gibt kein zurück. Sie denken nichts mehr, fühlen nur. Ihre Lippen, Hände, die zugreifen, über ihre Körper wandern. Sie fühlen sich, schmecken sich, erleben sich so neu. Sie haben eine Tür geöffnet, die sich nicht mehr schliessen lässt...

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