Könnte es eine tief verwurzelte Sehnsucht nach Freiheit sein, wenn man ausschert und Risiken eingeht? Nicht nur die Freiheit zu tun und zu lassen was man will, sondern die richtige Freiheit - «die existentielle Verwiesenheit auf sich selbst» (Daseinsanalytikerin Alice Holzhey Kurz).
«Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt» (Sartre). Keine höhere Instanz nimmt ihm Entscheidungen und deren Konsequenzen ab.
Diese Tatsache ist vielleicht für einige unerträglicher als für andere. Die meisten klammern sich an Beziehungen, besonders Liebesbeziehungen, um eben diese alles umfassende Freiheit nicht leben zu müssen, weil sie sie als Einsamkeit wahrnehmen. Andere wiederum brauchen diese 'Einsamkeit', im Sinne von 'nur mit sich sein', um als ganzer Mensch existieren zu können. Ich zumindest empfinde es so, dass ich diesen 'Freiraum' brauche, um glücklich zu leben. Nicht permanent, aber immer wieder. Trotzdem brauche ich Partnerschaft und Familie als Gegenpol und Verankerung im Ganzen.
Hat das Fremdgehen vielleicht auch mit der Lust am Geheimnis zu tun? Auch ein Geheimnis in sich zu tragen, bildet eine Art Autonomie im Paargefüge. Ich kann mir keine 'offene' Beziehung vorstellen. Zumindest nicht im dem Sinne mit meinem Partner offen über alles zu reden und von meinen Erlebnissen zu berichten. Ich möchte Geheimnisse haben und bewahren. Genau so wie ich nicht alles über ihn wissen will. Offenheit würde unter Umständen auch bedeuten meinen Partner vollkommen zu überfordern, ihn dazu bringen Dinge in Frage zu stellen, die gar nicht nötig sind. Ihn zweifeln lassen an sich, an uns, obwohl es hier nicht um das 'Uns' geht, sondern um mich – den Teil in mir, der nach Freiheit strebt, ohne dass es bedeutet ihn und uns abzuwerten. Ich könnte nicht von ihm verlangen dies zu verstehen, wenn er es für sich nicht auch so empfindet.
In dem man sich trotz Partnerschaft auf jemanden einlässt, bewegt man sich in einer Grauzone zwischen sicherer Geborgenheit und Freiheit. Man nimmt damit die Gefahr in Kauf den Partner und den vertrauten Lebensraum zu verlieren. Ist diese Risikobereitschaft, vielleicht auch verbunden mit der Erkenntnis, dass jedes Individuum letztendlich eben nur für sich allein existiert?















