04.01.2012

Tabula rasa

Sokrates zu Platon: «So setze mir nun, damit wir doch ein Wort haben, in unsern Seelen einen wächsernen Guß, welcher Abdrücke aufnehmen kann, bei dem einen größer, bei dem andern kleiner, bei dem einen von reinerem Wachs, bei dem andern von schmutzigerem, auch härter bei einigen und bei andern feuchter, bei einigen auch gerade so, wie er sein muß. Dieser, wollen wir sagen, sei ein Geschenk von der Mutter der Musen, Mnemosyne; und wessen wir uns erinnern wollen von dem Gesehenen oder Gehörten oder auch selbst Gedachten, das drücken wir in diesen Guß ab, indem wir ihn den Wahrnehmungen und Gedanken unterhalten, wie beim Siegeln mit dem Gepräge eines Ringes. Was sich nun abdrückt, dessen erinnern wir uns und wissen es, solange nämlich sein Abbild vorhanden ist. Hat sich aber dieses verlöscht oder hat es gar nicht abgedruckt werden können, so vergessen wir die Sache und wissen sie nicht.»


Das wünsche ich mir für 2012... – ein neu beschreibbares Inneres, das zwar zerfliesst, wenn es den Flammen zu nahe kommt, aber wieder zu einer klaren Form zurückfinden kann. Ein homogenes Wechselspiel.

1 Kommentar:

  1. Das ist die eine Möglichkeit. Die andere ist, seine Narben als Erfahrungswerte und Zeichen des Erlebten mit sich zu tragen und einen gewissen Stolz zu entwickeln. Hop, Du kannst das!

    Übrigens, als ich damals mit dem alten Sack Sokrates in der Taverne zusammensaß, demonstrierte ich ihm die Unmöglichkeit seines Ansinnens indem ich ... egal, das würde jetzt zu weit führen, aber glaub mir, er hatte überhaupt keinen Humor.

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