31.01.2014

Trieb versus Vernunft

Wir nehmen einigen Erlebnissen, wie wir meinen, die 'Grösse', um besser mit ihnen umgehen zu können. Versuchen uns richtig kennenzulernen, in dem wir uns Einblicke in unseren Alltag verschaffen. Reden nicht dauernd über 'uns', sondern über ihn und mich in der 'realen Welt', könnte man sagen. Reden vor allem überhaupt, statt uns nur zu fühlen. Das Fühlen kam allerdings schnell wieder. 

Es scheint mir, während wir den 'Ernstfall', sprich das mögliche reale Leben miteinander testen, sprechen unsere Körper eine ganz andere Sprache und fragen sich wahrscheinlich, was das Ganze eigentlich soll?! Kaum hatten sich unsere Lippen zum Abschied wieder nur flüchtig berührt, war diese Konversation nicht mehr aufzuhalten. Diese fast schmerzliche Sehnsucht von seinem Körper in Besitz genommen zu werden, durchdringt mich in Sekundenbruchteilen komplett. 

Wir treffen uns das nächste Mal bei ihm zu Hause. Er kocht, wir reden, trinken Wein, hören Musik, schauen uns Bücher an. Unsere Köpfe wollen 'Fortschritt', dass wir uns auseinandersetzen mit uns, mit dem Versuch realistisch zu sein. Parameter abstecken, was möglich ist, und was nicht. 

Klar sind wir zu schwach, unsere Körper sind viel zu nah beieinander. Die Magnetwirkung ist einfach zu stark. Auch wenn ein Tisch zwischen uns steht. 

Wird der Verstand vielleicht überbewertet? Warum kann er sonst einfach aussetzen, wenn der Körper seinen Tribut fordert? Worauf soll ich nur hören… auf meine Vernunft oder den Trieb?



11 Kommentare:

  1. Darf ich fragen, weshalb du diesem starken Impuls nicht nachgeben möchtest? Was sind das denn für Argumente, die deine Vernunft ins Feld führt?

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    1. Ach, liebe Schattentänzerin, es ist das bekannte Dilemma... ich lebe in einer Partnerschaft, habe eine Familie, der ich durch mein Handeln niemals den Boden unter den Füssen wegziehen will. Niemals verletzen. Und ich brauche diese Bodenhaftung auch, die Sicherheit und das Geborgensein in dieser kleinen unersetzlichen Gemeinschaft. Trotzdem ist da auch 'er', der mich immer wieder so einnimmt und mich so viele Risiken eingehen lässt. Zwischen uns ist eine Verbundenheit und Leidenschaft, die auch unersetzlich ist, und die ich meine, auch zum Leben zu brauchen... es treibt mich immer wieder zu ihm. Und so gebe ich dem Impuls nach. Immer wieder. Doch wir konnten auch mal als Freunde existieren, und die Möglichkeiten diesen Zustand wiederzuerlangen versuchte ich auszuloten. Erfolglos. Meine Vernunft wird immer wieder von meinem Trieb und meinem Verlangen besiegt. Und es scheint auch richtig so, weil sich alles so richtig anfühlt, doch gleichzeitig ist es auch so falsch.

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    2. Das ist wirklich ein Dilemma. Ich kann deine Zerrissenheit nachfühlen. Allerdings würde ich es wohl nicht als Zwiespalt zwischen Vernunft und Trieb bezeichnen, sondern als einen Zwiespalt zwischen zwei Arten von Zuneigung, die offenbar nicht miteinander vereinbar sind. Auf der einen Seite die vertraute Liebe zu deinem Mann und deiner Familie, eine Art von Heimat, und auf der anderen Seite diese leidenschaftliche Anziehung, die dich einfach nicht loslässt. Wenn ich deine Zeilen lese, dann frage ich mich wieder, ob nicht Polyamorie am Ende doch die reifeste Form der Liebe ist, aber natürlich ist das nicht so einfach. Zu viele Gefühle, zu viele Verletzlichkeiten stehen dem im Wege. Auf der anderen Seite würde es sich wahrscheinlich anfühlen, als müsstest du dir ein Stück aus deiner Seele reißen, wenn du den Kontakt zu jenem anderen Mann vollständig abbrechen würdest. Ich bewundere den Balanceakt, an dem du dich gerade versuchst, und ich kann nachfühlen, wie schwer und anstrengend es ist, eine so starke Sehnsucht immer wieder zu begrenzen. Es gibt leider, leider keine einfache Lösung für solche Situationen.

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    3. Du hast das genau so erfasst, wie es ist. Und ich danke dir für deine einfühlsamen Gedanken. Weisst du, ich träume manchmal davon, wie wir zu dritt – mein Partner, 'er' und ich – um ein loderndes Feuer sitzen und gemeinsam schweigend, wissend und glücklich in die Flammen schauen...

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    4. Das ist ein wunderschönes Bild. Ich wünsche dir sehr, dass es sich eines Tages auf die eine oder andere Art bewahrheiten kann.

      Was würdest du eigentlich sagen, wenn am Feuer noch eine weitere Frau säße? Eine, für die dein Mann ähnliches empfände wie du für diesen langjährigen Freund? Ich frage das, weil das eine Frage war, die ich mir in vergleichbarer Situation auch selbst oft gestellt habe, und meine Antworten diesbezüglich alles andere als eindeutig ausfielen.

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    5. Ja, diese Frage stelle ich mir auch sehr oft... und ich würde es zu gerne wissen. Ich kann meine Gefühle zu dieser Vorstellung (noch) nicht ganz einordnen. Tatsache ist, dass ich wohl meinem Partner nicht zutrauen würde zwei Frauen gleichzeitig zu lieben. Wäre das nicht auch ein wahnsinniger Zufall, wenn es wirklich so sein könnte? Es ist ja nicht so, dass man einfach loszieht und sich vornimmt, jemand 'Zweites' zu finden, sondern es geschieht einfach.

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  2. Ich glaube niemand kann dir dabei helfen, so sehr du es auch gern hören würdest. Das ganze nennt sich wohl "Leben".
    Wir suchen uns diese Situationen ja nicht aus, sondern werden von ihnen überrumpelt.
    Wenn du erleben willst was du nie erlebt hast, musst du tun was du bisher noch nicht getan hast. Das dumme an dieser Weisheit ist, dass man auch mit allen Konsequenzen danach auch leben muss.

    Versuche nicht alles im Leben zu bekommen, wenn du dich bisher noch nicht entscheiden hast, scheint es bisher noch nicht schlimm genug zu sein oder es gibt auf der anderen Seite, auch zuviel gutes.

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    1. 'Wenn du erleben willst was du nie erlebt hast, musst du tun was du bisher noch nicht getan hast' Ja, und daran halte ich mich wohl... hab ich wahrscheinlich schon immer.
      Ich will mich nicht entscheiden! Und entscheiden müssen, erst recht nicht. Es geht nicht um Leiden, bis der Druck so gross ist, bis man eine Seite wählt. Das ist doch eigentlich fast wie wenn du dich selbst aufgibst. Davon bin ich meilenweit entfernt...

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  3. Wer will sich schon entscheiden? ;)
    Solange niemand wirklich verletzt wird, kann man ja beide Seiten leben. Nur nicht jammern, wenn man dit die Entscheidung irgendwann abnimmt. Dann kannst du nicht mehr wählen.. das meinte ich nur.

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    1. Ich weiss doch... nur habe ich doch eigentlich keine Wahl, wenn ich 'erleben' möchte, als alles zu wollen, oder?

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  4. nickend zustimme....

    Die andere Variante heisst Verzicht. Vielleicht verzichtet man gerne wenn man nur einen Menschen liebt. Hach ja... die Liebe zieht ihre eigenen Bahnen...

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