20.03.2012

Beziehungsgedanken_Teil 1


Dies ist ein Auftakt zu einer Serie von Gedanken und Überlegungen zum Thema Partnerschaft. Ich möchte vor allem gerne ein paar Blicke auf das monogame Verhaltensmuster und das Leben, und nicht Leben, dieses Musters werfen. Das Thema beschäftigt mich seit geraumer Zeit, da ich bereits sehr lange in einer Partnerschaft lebe. Zu Beginn war ich sehr offen und konnte mir diverse Formen des Zusammenlebens vorstellen. Mit den Jahren aber schienen mir meine Vorstellungen von einer Beziehung, die nicht 'exklusiv' ist unvorstellbarer und mit meinem Leben unvereinbar. Warum? Durch verschiedene äussere (und innere) Umstände bin ich aber wieder gezwungen intensiver darüber nachzudenken, was für andere Verhaltensmuster es gibt.

Nebst eigenen Überlegungen, werde ich aus diversen Texten zitieren. 

Es ist eine Paradoxie, die sich im Konzept der lebenslangen Monogamie verbirgt: Wenn die emotionale Sicherheit erreicht ist und ein Zustand der Befriedigung einkehren müsste, passiert oft das Gegenteil, und das Bedürfnis nach Abwechslung, nach Abenteuer, nach Risiko, nach Pulsbeschleunigung meldet sich. Nicht weil der Partner etwas falsch gemacht hat, sondern weil das Konzept der romantischen Monogamie nur eine Seite der menschlichen Bedürfnisse abdecken kann. Man sucht den Kontrast, den Unterschied.

Warum ist der Unterschied attraktiv? Weil er der fühlbare Beweis dafür ist, dass wir leben. Eine Liebesaffäre erschafft unsere Welt neu. Wir sehen anders, fühlen anders, sind anders wir selbst. Richtig anders. Anders richtig.

Liebesaffären leben von der Bewegung, nicht vom Ergebnis.
- aus 'Wenn Liebe fremdgeht'- vom richtigen Umgang mit Affären von Ulrich Clement

Ich denke es geht nicht nur um die Beziehung zum Partner, sondern genau so um die Beziehung zu sich selbst und das Zusammenspiel von allen Facetten der Persönlichkeiten des Paares. Das Gefühl, alles in dieser Paargemeinschaft gefunden zu haben, was man braucht, kann eigentlich gar nicht sein. Ich bin nicht immer das gleiche Ich, das ich zu Beginn der Partnerschaft war und das Du bleibt nicht einfach dieses Du. Man entwickelt sich weiter, wird älter, lernt, sucht. Ja, an einer Partnerschaft sind nicht nur zwei beteiligt. Es sind immer mehrere, sich wandelnde 'Personen'. Wir sind ständig in Bewegung, wollen uns weiterentwickeln. Letztendlich sind wir immer auf der Suche nach uns selbst und brauchen andere um uns reflektieren zu können. Ich kann doch also, wenn ich mich wandle nicht davon ausgehen, dass mein einst auserwählter Lebensbegleiter dies genau im gleichen Rhythmus und in die gleiche Richtung tut? Wir können auseinander driften, aber auch wieder zueinander finden. Und dazwischen gibt es unglaublich viel Raum.

Lässt man sich also vielleicht auf andere ein, weil es im Grunde um die Bewegung geht, das Vorwärtskommen an sich?

6 Kommentare:

  1. Deine Schlussfrage, die ich mit einem "Ja, unter Anderem." beantworten würde, gibt sicher einen Aspekt wieder.
    Die Gründe und Anlässe für die Suche nach einer anderen Partnerin oder Partner (oder diese Suche zu unterlassen) sind sicher individuell unterschiedlich ...
    Ich habe vor mehreren Tagen zum gleichen Thema einen Post geschrieben, den ich zufällig heute (15:30 Uhr) veröffentliche (Ich hatte letzte Woche Gründe ihn zu verschieben).
    Gruß Nouniouce

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  2. Geht es in Beziehungen nicht immer zu allererst um einen selbst? Und zwar in allen Beziehungsformen? Ohne Ego gibt es nur Solisten oder bestenfalls ein Nebeneinander, aber nie ein Miteinander.

    Kleine Anmerkung am Rande: Bewegung ist etwas anderes als Vorwärtskommen.

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    1. Da gebe ich Dir Recht, doch man kann sagen Bewegung schliesst das Vorwärtskommen zumindest nicht aus. Sie begünstigt es im Idealfall, oder?

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    2. Vorwärts ist immer relativ und benötigt Ziele. Arbeitet man in einer Beziehung auf ein Ziel hin? Das klingt so fööörchterlich berechnend und vor allem anstrengend. Aber vielleicht ist es genau das, was einen zur Suche nach Alternativen treibt. Das nicht einem [gemeinsamen] langfristigem Ziel verpflichtet zu sein, sondern die Besinnung auf dem Moment.

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    3. Finde ich nicht, dass zwingend ein Ziel da sei muss. Und ich meine das Vorwärtskommen in Bezug auf sich selbst (Selbstverwirklichung), nicht primär in der Beziehung – in ihr ist es einfach so, dass man in die gleiche Richtung gehen sollte, damit man eben nicht nach Alternativen Ausschau hält. Und zeitweise fehlt die gemeinsame Richtung oder man hat das Bedürfnis ein Stück allein zu gehen.

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